14. September 2025
SAiL Bremerhaven 2025 – Meer erleben!

Wenn es Nacht wird in Bremerhaven
Beim obligatorischen Rundgang über die boot in Düsseldorf am Stand von Bremerhaven hängen geblieben: „Ach guck, die SAiL gibt’s wieder?! – Dürfen da auch ganz kleine Boote mitfahren?“
Ja, dürfen sie! Und eine E-Mail später war Nanu als kleinstes Schiff zur SAiL 2025 angemeldet.
Bereits die Anreise begann mit einem Highlight: Der Dedesdorfer Markt fand zum 877. Male statt – und wir waren mit unserem Gespann (zwecks Stauumfahrung) mittendrin – wir wurden zwar nicht als schönster Wagen prämiert, doch sei jedem ein Ausflug in die Gemeinde Loxstedt empfohlen! Über abenteuerliche Wirtschaftswege erreichten wir doch noch unser Ziel, den Weser Yachtclub Bremerhaven e. V.. Dank des superprofessionellen Hafenmeisters und unserer langjährigen Takelerfahrung war Nanu flott segelfertig!
Bevor es am nächsten Morgen so richtig losgehen konnte, legten wir noch schnell in der Geeste an, um im Liasion Office der SAiL unsere Akkreditierung zur großen Einlaufparade abzuholen. Die ganze Stadt war im Aufbaufieber zum Großevent und so waren wir froh, als wir endlich die Leinen loswerfen und mit der auflaufenden Tide in Richtung Elsfleth segeln konnten. Nach einem kleinen Rundgang und Fischbrötchen sind wir dann im Abendlicht mit ablaufendem Wasser bis Rechtenfleth gekommen. Ein wunderbar wilder Hafen mit einem Liegeplatz zwischen Schilf und Schlick. „Ten o’clock is sailor’s midnight“ und wir lagen früh in der Koje – schließlich wollten wir mit HW morgens um 5.30 Uhr auslaufen, um wieder in Richtung Nordsee zu kommen. Aufgrund des magischen Morgennebels warteten wir doch noch eine Stunde ab, bevor wir uns ins Fahrwasser trauten.
Doch bald war der Nebel verzogen und bei bestem Wetter segelten wir bald an der Bremerhavener Containerkaje vorbei in die Außenweser hinein. Am Fedderwarder Priel legten wir vor Anker eine kleine Pause ein, bis genügend Wasser uns über Langlütjensand in Richtung Fedderwardersiel trug. Auf diesem Schlag sahen wir einige Seehunde und wurden von einer Schule Schweinswale begleitet!
Nach Backfisch und Proviantmarsch nach Burhave ging es wieder früh in die Koje. Wiederum mit Hochwasser verließen wir den gastlichen Hafen des Butjadinger Yachtclubs und tasteten uns entlang der Pricken. Vor dem Leuchtturm „Hohe Weg“ warfen wir nochmal den Anker. Nach dem 2. Frühstück und einem Nickerchen begrüßten wir neben uns die „Belle Poule“, das Schulschiff der französischen Marine. Ja, jetzt ging’s langsam los mit der SAiL – den ganzen Tag kamen am Horizont Zwei- und Dreimaster, Rah- und Gaffelsegel in Sicht, ein Traum für jeden Schiffsliebhaber. Die Nacht vor der großen Windjammerparade verbrachten wir im kleinen Sielhafen von Wremen. Die Anfahrt durch den gewundenen, sehr flachen und spärlich bepriggten Priel ist so fordernd wir lohnend. Wir bekamen ein tollen Liegeplatz bei den Wremer Sportschippern und wurden gleich vom ganzen Verein adoptiert! Nach einem netten Hock mit einer Menge Seemannsgarn ging es nicht ganz so früh in die Koje – dennoch früh wieder raus, schließlich mussten wir um 9 Uhr im Aufstellgebiet sein, um unseren Platz in der Parade zu finden. Die war mit „urdeutscher“ Raffinesse ausgetüftelt und sah einen genauen Ablauf und Schleusenplan vor. Dieser war aber bereits beim Start um 11 Uhr Makulatur. Die „Alexander von Humboldt 2“ mit ihren markanten grünen Segeln nahm zwar ihren Platz als Führungsschiff der Parade ein – die „Gorch Fock“ ließ allerdings auf sich warten… Egal, wir reihten uns ein und genossen es, mit dem auflaufenden Wasser zwischen lauter nautischen Schmankerln entlang der Bremerhavener Containerterminals in Richtung Blexen Reede und von dort zum Neuen Hafen zu laufen. Auf halber Strecke kam dann auch die Gorch Fock dazu – und vollführte vor dem heranrollenden Feld der Paradeschiffe erstmal ein komplexes Wendemanöver – sie hatten noch auf den Bundespräsidenten warten müssen! An der Schleuse angekommen, sorgten die Sicherheitsvorkehrungen für Deutschlands Staatsoberhaupt dann für den vollkommenen Zusammenbruch der Planung – die Schleuse wurde für die Dauer der Eröffnung einfach komplett gesperrt. Und damit war die gesamte Planung Makulatur. Von der Paradeleitung per Funk kommentiert mit „Jau, dat is dann so…“ An so viel norddeutscher Gelassenheit kann ich mir ein Beispiel nehmen…
An der Schleuse wurden wir jedenfalls von Familie und Freunden erwartet – und als wir endlich an unserem Liegeplatz lagen auch mit einem eiskalten Bier begrüßt – besser geht nicht!
Wir lagen wirklich mitten im Getümmel: Unser Liegeplatz war ganz vorne in der Pole Position zwischen „Gorch Fock“ und „Alex“ und direkt unter dem Riesenrad. Gemeinsam genossen wir den Trubel und das Hafenkino beim Anlegen der anderen Schiffe aus dem Cockpit von Nanu und konnten von unseren Abenteuern erzählen. Unsere Lieben machten sich dann auf den Heimweg mit der Bimmelbahn – wir erkundeten den Hafen und guckten uns die vielen Schiffe aus der Nähe an. Ein kurzer Abstecher zum NEUS-Musikfest war noch drin, dann trafen wir uns mit Steffen Schenk und Familie zum Feierabendbier auf Nanu – schön, inmitten des Getümmels bekannte Gesichter zu sehen!
Wir hatten entschieden, dass eine Nacht auf dem Rummel reicht und liefen daher nach einem gepflegten Frühstück aus, um wieder zum Weser Yachtclub zu verholen. Dort ist die Infrastruktur für uns fahrendes Volk einfach besser. Vorher genossen wir es jedoch noch einmal, bei steifem Wind die Weser hinabzusegeln um dann durch die Doppelschleuse in den Fischereihafen einzulaufen. Nach einer kleinen Hafenrundfahrt erreichten wir die Drehbrücke und unseren Ausgangshafen. Nach einem kleinen Anlegebier begannen wir, Nanu ab- und uns aufzutakeln.
Schließlich waren wir von der Stadt Bremerhaven zum Kapitänsdinner im Fischbahnhof geladen; da mussten eine Dusche und ein frisches Hemd sein! Bei gepflegter Kammermusik und sehr aufmerksamem Service wurde dort das mit Abstand beste Fischbuffet meines Lebens serviert – und nach der offiziellen Begrüßung durch den OB Melf Grantz genossen wir den Austausch mit SeglerInnen aus aller Welt. Eine illustre Mischung aus Militärkapitänen in Gala-Uniform, alten Salzbuckeln, Traditionsskippern und Amateuren wie uns sorgte für anregende Unterhaltung. Es war der Auftakt für einen grandiosen Abend, der erst in den frühen Morgenstunden zu Ende ging. Insidertipp: „Krohn’s Eck“ ist eine geniale Hafenkneipe!
Nachdem Nanu am nächsten Tag reisefertig verladen war, begaben wir uns noch einmal ins Getümmel – Dank einer netten Einladung zum Buffet (ja, schon wieder!) auf der Terrasse in einem der schicken Bürohäuser am Hafen konnten wir das auch sehr gut aushalten!
Entspannt ließen wir unser Weserabenteuer ausklingen – Fazit: Wattensegeln macht Spaß!
Jan-Dirk Falkenreck
Jan Strickmann







































